Bericht über die Plakatenthüllung in Gündelwangen

Bürgerallianz in Gündelwangen


Stadt wirbt mit Vereinsvertretern für Anschluss ans Glasfasernetz – Stadtverwaltung und Bürger sehen sich in einem Boot – Historische Chance mit Schnellem Netz voranzusurfen

Bonndorf/ Gündelwangen – „Es ist uns es wichtig, alle Bürger im Boot zu haben, denn genau da sind sie“, sagte Bürgermeister Michael Scharf bei einem ungewöhnlichen Pressetermin. Plakate wurden enthüllt, auf denen sich stolz Vertreter der meisten Gündelwangener Vereine präsentieren, bunt gemischt mit den Mitarbeitern des Rathauses. „Glasfaser Bonndorf, Löwenstarkes Bürgernetz, wir bauen auf unsere Stadt – unsere Stadt baut für uns“, so die starke Aussage, die nun mitten in Gündelwangen prangt.


Die städtischen Angestellten bereiten dieser Tage nämlich ämterübergreifend die erste große Bürgerversammlung vor, bei der am kommenden Mittwochabend ab 20 Uhr im Foyer der Bonndorfer Stadthalle Verträge für einen Breitbandanschluss abgeschlossen werden können. Welch große Chance darin für die Gündelwangener liegt, erfuhr der Schultes abermals und eindrücklich in der Bundeshauptstadt. „Ich war in der vergangenen Woche in Berlin und habe dort von Telekom-Chef van Damme erfahren, dass nur zwei Prozent der Telekomkunden Glasfaser im eigenen Haus haben. Mit dem Glasfasernetz in Gündelwangen geht Bonndorf also auf die Überholspur. Gündelwangen erhält die absolute Chance sich an die Spitze der modernen Kommunikation zu setzen“, sagte der Bürgermeister selbstbewusst. Auch an seiner Interessenslage habe der Konzernlenker keinen Zweifel gelassen. Die Telekom sei kein Staatsunternehmen mehr und rüste seine Netze nur dort nach, wo es sich für sie lohnt. Das sei eine klare Absage an dünn besiedelte Gebiete.


Was jetzt in Gündelwangen Schlag auf Schlag mit öffentlichem Netz geht, sei noch vor zwei Jahren unmöglich gewesen. Es gab eben auch in der Vergangenheit keine ernsthaft daran interessierten Telekommunikationsunternehmen, die diese ländlichste Region flächende-ckend mit zeitgemäßem, schnellen Internet versorgen wollten. „Die Ange-bote, die wir erhalten haben, waren so ausgelegt, dass wir aus verschiedenen Gründen an keinerlei Fördergelder kommen konnten. Das bedeutete für uns, als zwar gut bestallte, aber dafür zu kleine Gemeinde, jeweils das Aus.“ Hinzu seien rechtliche Hürden gekom-men. „Wir durften gar nicht unser eignes Netz bauen, sondern mussten dieses so genannte Marktversagen erst nachweisen. Denn der Bau von Telekommunikationsnetzen ist aus rechtlichen Gründen zunächst diesen Unternehmen vorbehalten.“


Jetzt endlich seien zwei glückliche Umstände zusammen gekommen. Nicht nur das besagte Marktversagen sei nachgewiesen. Der Landkreis habe sich auch zum Bau eines Gemeindeverbindungsnetzes, genannt Back-Bone-Netz, entschlossen. Und die Gemeinden könnten daran anschließend Ortsnetze bauen, mit Hilfe der Fördermittel, die zum Regierungswechsel auf Landesebene die damaligen Minister Straub und Hauk, durch die Vermittlung des Landtagsabgeordneten Felix Schreiner (CDU), zugesagt haben.


„Wir gehen auch als Stadt ungewöhnli-che Wege in der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden“, meinte Bürger-meister Michael Scharf verweisend auf die IKZ (Interkommunale Zusammenarbeit), die zunächst zwischen Stühlingen, Ühlingen-Birkendorf und Bonndorf bestand und inzwischen ausgeweitet wurde auf Grafenhausen und Wutach. Hier bündele man Kräfte und helfe sich auch aus mit personeller Kompetenz. Federführend auf Kreisebene seien fachlich inzwischen Andreas Nauroth aus Hohentengen und Matthias Ketterer, Leiter des hiesigen Amtes für Breitband, das eigens eingerichtet wurde, um diese Mammutaufgabe zu stemmen. Diese beiden stünden in engem Austausch.


„Einerseits verkaufen wir jetzt regelrecht die Anschlussmöglichkeiten an die Haus- und Wohnungsbesitzer. Andererseits beteiligen sich die Bürger lediglich mit einer, wie ich meine, sehr geringen Gebühr für den individuellen Anschluss. Alles andere stammt aus Steuergeldern, sprich Fördertöpfen. Deshalb ist das ein echtes Bürgernetz“, so der Bürgermeister. Zwar verriet er bei diesem Pressetermin noch nicht, wie hoch die Anschlussgebühr sein wird. „Sie ist jedenfalls so niedrig, dass wir noch nicht abschätzen können, ob und wie viel die Stadt letztlich draufzahlen muss. Eines ist sicher, es ist die größte Investition, die in unserer Gemeinde in den vergan-genen Jahrzehnten angegangen wurde und mit Sicherheit eines der wichtigsten Projekte meiner bisherigen Amtszeit.“


Bedeutsam für das Dorf sei nun eine sehr hohe Anschlussdichte, hob er deutlich hervor, denn wer sich jetzt nicht dazu entscheide, habe wegen begrenzter Anschlussmöglichkeiten auf Jahre hinaus gar keine Chance mehr, teilzuhaben. „Schlussendlich entscheidet auch der Gemeinderat darüber, welche Straßenzüge nun tatsächlich ausgebaut werden. Je weniger sich dafür interessieren umso geringer ist die Motivation einen solchen Straßenzug durchzuwinken.“ Zeitgemäße Internetgeschwindigkeiten würden heute entscheiden über die Zukunftsfähigkeit einer Region. „Wo das nicht angeboten wird, sinkt der Wert der Immobilien bis hin zur Unverkäuflichkeit. Junge Menschen wandern ab“, sagte der Bürgermeister auch mit Blick auf die Bürger, zwar selbst keine Internet nutzen, aber an ihre Nachkommen denken.


Interview mit Matthias Ketterer über die Plakatenthüllung

Interview:


Matthias Ketterer, (49), ist Leiter des Bonndorfer Amtes für Breitband.
Herr Ketterer, Sie sind nun seit rund einem halben Jahr im Amt. Wie klappt die Zusammenarbeit mit den Kollegen?


Sehr gut. Alle Kollegen tragen das riesige Projekt mit und sind eingebun-den. Dazu gehören das Bauamt, das Haupt-oder Rechnungsamt, das Bürgerbüro der Bauhof, der Forst. Keiner kommt an der Breitbandinitiative vorbei. Wir haben sogar die Schulen mit einem Zeichenwettbewerben eingebunden. Was die Zusammenarbeit angeht kann ich nur sagen: ‚Super und Daumen nach oben.‘ Alle Kolleginnen und Kollegen ziehen an einem Strang in dieselbe Richtung.


Sie kommen aus der freien Wirtschaft und haben an ähnlichen Projekten gearbeitet. Haben Sie dort einmal eine solche Arbeitsdichte erlebt?


Der Zeitdruck ist für mich nichts Neues. Aber ich gebe zu, dieses Projekt ist auch für mich eine extreme Herausforderung. Zwar habe ich Projekte wie die Modernisierung oder den Umbau von großen Kabelnetzen geleitet, Fernkabelstrecken realisiert. Ich konnte aber immer auf bestehende Abteilungen zurückgreifen die mir dann zugearbeitet haben. Diese mussten  bei der Stadt Bonndorf erst geschaffen werden, da sie ja nicht ursprünglich Kernaufgaben einer Verwaltung sind. Wir mussten wir einen kompletten Vertrieb aufbauen, Vertragsunterlagen fertigen, auch müssen Richtlinien beispielsweise für die Dokumentation erarbeitet werden. Denn die Leitung die dann im Boden liegt, soll ja im Erweiterung- oder Fehlerfall wieder auffindbar sein. Für die Antragstellung zur Verlegung der Leitungen nach dem Telekommunikationsgesetz mussten wir Basisarbeit leisten. Glücklicherweise konnten wir auf ein hervorragendes Fundament zurückgreifen, das Nicole Messerschmid und Werner Steiert durch immense Vorarbeitet geschaffen haben. Sie haben die Laufarbeit gemacht, den Masterplan gezeichnet oder entworfen und die komplexen Förderanträge gestellt.

Gab es Rückschläge?


Nein.


Man hat bis zum 1. September Zeit, sich für einen Anschluss zu entscheiden. Warum muss das so kurzfristig erfolgen?
Kurzfristig ist dies meines Erachtens nicht. Umlandgemeinden geben den Anwohnern eine Frist von einigen Tagen, wir einen Monat. Es geht hier aber vor allem um das Einhalten von zuschussrelevanten Fristen. Die Tief-bauarbeiten für das Ortsnetz Gündel-wangen werden zur Zeit ausgeschrieben. Der Tiefbauer soll möglichst auch die Hausanschlüsse mit realisieren, wenn der Kunde seinen Graben nicht selbst ziehen möchte oder kann. Weiterhin benötigen wir eine Übersicht, wie sich die Anschlussdichte in den einzelnen Straße verhält. Es macht keinen Sinneine Straße auf einen Kilometer zu verkabeln wenn von zehn Hausbewohnern nur einer anschließen möchte und dieser dann auch noch am Ende der Straße wohnt. Es geht also auch um die endgültige Festlegung, was tatsächlich gebaut wird.


Wie geht es weiter, wenn im Herbst der Spatenstich erfolgt ist?
Wir sind an weiteren Ortsnetzen dran, unter anderem werden gerade Boll, Ebnet und die Steinasäge planerisch vorbereitet, ebenso die Aussiedlerhöfe Richtung Münchingen und das Gewer-begebiet Breitenfeld und der Linden-buck/ Glattsteina in Bonndorf. Die Zuführungen dorthin sind momentan in der Ausschreibung. Wir sind in Ver-handlungen über ein Dokumentations-programm das uns dann auch im Fehlerfall schnelle Übersicht verschafft, beziehungsweise dem Kunden die Sicherheit gibt, dass bei Tiefbauarbeiten Leitungen nicht beschädigt oder gar abgerissen werden. Die Gebäude für Vermittlungsstellen in Wellendingen, Bonndorf und auch Gündelwangen, in denen dann die Glasfasern der Kunden enden oder beginne, müssen geplant und gebaut werden. Weiterhin werden wir nach dem Spatenstich die Bauüberwachung ausüben. Also mir und meinen Kolleginnen geht die Arbeit bestimmt nicht aus.